Durch eine Kündigung wird das Arbeitsverhältnis aufgelöst und sämtliche Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag enden. Aber was passiert mit dem Resturlaub bei einer Kündigung? In diesem Beitrag erläutern wir Ihnen, wie Sie Ihren Resturlaub nach einer Kündigung am sinnvollsten nutzen.

 

Inhaltsverzeichnis

Was passiert nach einer Kündigung mit dem Urlaubsanspruch?

Gemäß § 1 des Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) hat ein Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr einen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der gesetzliche Urlaub beträgt bei einer Fünf-Tage-Arbeitswoche jährlich 20 Arbeitstage (§ 3 BUrlG). Selbstverständlich können Ihnen arbeits- oder tarifvertraglich mehr Urlaubstage zustehen.

Nur weil Ihnen Ihr Arbeitgeber kündigt, verfällt nicht sofort sämtlicher Urlaub! Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist sind Sie weiterhin im Betrieb beschäftigt und haben damit Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.

Für den Urlaub bis zum Ablauf der Kündigungsfrist gelten die allgemeinen Regeln:

  • Hat Ihnen der Arbeitgeber bereits Urlaub für diese Zeit genehmigt, können Sie diesen ganz normal in Anspruch nehmen.
  • Für nicht genehmigten Urlaub gilt: Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs muss der Arbeitgeber die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen.

Wollen Sie während der Kündigungsfrist Urlaub nehmen, muss Ihr Arbeitgeber dem also grundsätzlich entsprechen. Er kann Ihren Urlaubswunsch aber ablehnen, wenn diesem dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer entgegenstehen, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen (§ 7 Abs. 1 S. 1 BUrlG).

Dringende betriebliche Belange sind beispielsweise:

  • Eine Unterbesetzung in Betrieb oder Abteilung wegen eines besonders hohen Krankenstands oder wegen der Kündigung anderer Arbeitnehmer.
  • Eine unerwartet große Menge an Arbeit durch einen zusätzlichen Auftrag.
  • Eine besonders arbeitsintensive Zeit wegen der Eigenart einer Branche (Schlussverkauf, Weihnachten im Einzelhandel, Grippewelle bei Krankenhäusern und Apotheken).
  • Ein notwendiger Betriebsurlaub, z.B. wegen der Abhängigkeit der Arbeitnehmer von der Anwesenheit des Arbeitgebers – so bei Arzthelfern – oder der Abhängigkeit eines Vertriebsunternehmens von der Produktionszeit eines Herstellers.

Urlaubswünsche sozialbedürftigerer Arbeitnehmer können etwa sein:

  • Die Urlaubsmöglichkeiten des Partners und der Kinder (Schulferien).
  • Eine bisherige Urlaubsgewährung in besonders beliebten Zeiten.
  • Alter und Betriebszugehörigkeit.
  • Erstmaliger oder wiederholter Urlaub in diesem Kalenderjahr.
  • Erholungsbedürftigkeit (besonders arbeitsintensiver Einsatz in der Vergangenheit, schwerwiegende Erkrankung).

Verweigert Ihnen der Arbeitgeber den genehmigten Urlaub oder entspricht dieser nicht Ihren Urlaubswünschen, sollten Sie sich daher durch einen Fachanwalt im Arbeitsrecht beraten lassen.

 

Muss der Arbeitgeber den Urlaub bei Kündigung auszahlen?

Im Grundsatz gilt: Der Urlaub muss genommen werden, er wird nicht ausgezahlt.

Davon gibt es aber eine wichtige Ausnahme: Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Dies ist insbesondere in zwei Fällen relevant:

  • Der Arbeitgeber beendet das Arbeitsverhältnis durch fristlose Kündigung, d.h. ohne eine Kündigungsfrist einhalten zu müssen. In diesem Fall fehlen weitere Arbeitstage, in denen der Arbeitgeber Urlaub gewähren könnte.
  • Der Arbeitgeber kündigt fristgerecht und verweigert die Urlaubsgewährung aufgrund dringender betrieblicher Belange. Denken Sie beispielsweise an die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die die freiwerdende Stelle übernehmen sollen.

In diesen Fällen steht dem Arbeitnehmer an seinem letzten Arbeitstag noch Resturlaub zu. Diesen muss der Arbeitgeber nun auszahlen. Man spricht auch von einer Abgeltung des Urlaubs in Geld. Die Höhe des Abgeltungsanspruchs regelt § 11 BUrlG.

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Wie kann ich den Resturlaub bei Kündigung berechnen?

Es kommt entscheidet darauf an, wie viele Urlaubstage Ihnen noch zustehen (Schritt a.). Möchten oder können Sie diesen nicht „in natura“ nehmen, erfahren Sie in Schritt b., wie viel Geld Sie pro Urlaubstag bei Ihrem Austritt erhalten.

Wie kann ich den Resturlaub bei Kündigung berechnen?

Wie kann ich den Resturlaub bei Kündigung berechnen?

Wie viele Urlaubstage stehen Ihnen noch zu?

Wie sich der „Resturlaub“ bei einer Kündigung berechnet, hängt vom Zeitpunkt der Kündigung ab. Maßgeblich ist, ob die Kündigung in der ersten oder in der zweiten Jahreshälfte erfolgt.

 

Urlaubsanspruch bei Austritt in erster Jahreshälfte

Erfolgt die Kündigung in der ersten Jahreshälfte, also bis zum 30. Juni, dann richtet sich der Urlaubsanspruch anteilig nach der Dauer, während der Sie in diesem Kalenderjahr beschäftigt waren. Sie erhalten ein Zwölftel des vereinbarten Jahresurlaubs für jeden vollen Monat. Der zu gewährende Resturlaub bei einer Kündigung in der ersten Jahreshälfte ergibt sich somit aus folgender Rechnung:

Zahl der vereinbarten Urlaubstage / 12 Monate x Zahl der beschäftigten Monate

Zur Verdeutlichung dient folgendes Rechenbeispiel:

Arbeiternehmer A wird zum 31. März gekündigt. Bei einem gesetzlichen Jahresurlaub von 20 Tagen erhält er insgesamt noch 5 Tage Resturlaub (20 Urlaubstage / 12 Monate x 3 Monate).

Beachten Sie, dass auch mehr Urlaubstage vereinbart werden können. Dazu dieses Beispiel:

Die Angestellte B kündigt zum 31. Juni. Bei einem tarifvertraglichen Jahresurlaub von 27 Tagen erhält sie insgesamt noch 13,5 Tage Resturlaub (27 Urlaubstage / 12 Monate x 6 Monate). Gerundet ergibt sich so ein Urlaubsanspruch von 14 Tagen.

Achtung: Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag kann vorsehen, dass der über das gesetzliche Mindestmaß (20 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche) hinausgehende Urlaub mit der Kündigung automatisch verfällt.

 

Urlaubsanspruch bei Austritt in zweiter Jahreshälfte

Treten Sie erst in der zweiten Jahreshälfte aus, haben Sie einen vollen Urlaubsanspruch. Das gilt grundsätzlich auch für den freiwillig gewährten Mehrurlaub, der über das gesetzliche Mindestmaß hinausgeht. Der Arbeitsvertrag kann allerdings Abweichungen vorsehen (nicht aber für den gesetzlichen Mindesturlaub!).

Beispiel:
Dem Arbeitnehmer C wird zum 31. August gekündigt. Besteht sein Arbeitsverhältnis bereits seit mindestens dem 1. Januar desselben Jahres, hat er einen vollen Urlaubsanspruch.

Bestand das Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt der Kündigung hingegen noch keine sechs Monate, berechnet sich der Urlaubsanspruch weiterhin ähnlich einer Kündigung im ersten Halbjahr.

 

Wie viel Geld erhalten Sie pro Urlaubstag?

Das Gesetz sieht vor: „Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, das der Arbeitnehmer in den letzten dreizehn Wochen vor dem Beginn des Urlaubs erhalten hat.“

Als vereinfachtes Rechenbeispiel nehmen wir Arbeitnehmerin D. Sie hat 20 Urlaubstage, von denen Sie vier Tage wegen der Kündigung nicht mehr nehmen kann. Ihr Bruttolohn pro Monat beträgt 3.000 Euro bei einer Fünf-Tage-Woche.

Der Abgeltungsanspruch berechnet sich nun wie folgt:

  • Schritt 1: Errechnen Sie Ihr durchschnittliches monatliches Bruttoeinkommen der letzten drei Monate. Hier: 3.000 Euro.
  • Schritt 2: Nehmen Sie dieses mal drei. Hier: 9.000 Euro (3.000 Euro x 3).
  • Schritt 3: Multiplizieren Sie das Ergebnis mit der Anzahl der noch offenen Urlaubstage. Hier: 36.000 Euro (9.000 Euro x 4 Urlaubstage).
  • Schritt 4: Teilen Sie das Ergebnis mit der regulären Anzahl der Arbeitstage in den letzten 13 Wochen (5-Tage-Woche = 65). Krankheitstage, Feiertage o.ä. beziehen Sie mit ein. Dies ergibt einen Abgeltungsanspruch von 553,85 Euro brutto (36.000 Euro / 65 Arbeitstage).

Achtung: Unterschreiben Sie nach einer Kündigung keine Klausel, mit der Sie auf sämtliche Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verzichten. Sie versperren sich so den Anspruch auf Urlaubsabgeltung!

 

Was gilt für den Urlaubsanspruch bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer?

Selbstverständlich haben Sie auch dann einen Urlaubsanspruch, wenn Sie als Arbeitnehmer selbst das Arbeitsverhältnis kündigen. Denn das Gesetz knüpft allein an die Beendigung des Vertrags durch Kündigung an, egal durch wen diese Kündigung erfolgt. Bei einer Kündigung des Arbeitnehmers gilt daher für den Urlaubsanspruch das oben Gesagte entsprechend.

 

Fazit

  • Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist sind Sie weiterhin im Betrieb beschäftigt und haben damit Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.
  • Beachten Sie aber, dass die Anzahl der Resturlaubstage abhängig vom Kündigungszeitpunkt variieren.
  • Erfolgt die Kündigung in der ersten Jahreshälfte, also bis zum 30. Juni, dann richtet sich der Urlaubsanspruch anteilig nach der Anzahl der Monate, in welchen Sie im laufenden Kalenderjahr beschäftigt waren.
  • Treten Sie erst nach der zweiten Jahreshälfte aus, haben Sie einen vollen Urlaubsanspruch, sofern das Arbeitsverhältnis mindestens seit 6 Monaten bestand.
  • Die Urlaubstage werden in Geld ausgezahlt, sofern diese nicht genommen werden (können).
  • Diese Grundsätze greifen auch bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer.